ARCHIV(E)
Dokumentarfilm, AT, HD 16:9, 8 min, stereo
Ich versuche nicht, das Leben meines Großvaters chronologisch nachzuerzählen. Auch nicht, aus den vorhandenen Spuren nachträglich eine vollständige Biografie herzustellen.
Der Film folgt vielmehr der Logik eines Archivs.
Er sammelt, ordnet, reiht aneinander. Orte, Personen, Dokumente, Fotografien, Gespräche und filmisches Material bilden zwanzig Kapitel – oder vielleicht eher zwanzig Einträge eines Registers.
Manche tragen den Namen eines Ortes: Reithmanngymnasium, Kunstpavillon Innsbruck, Sammlungs- und Forschungsdepot Hall, Aktsaal der Akademie der bildenden Künste Wien.
Andere bezeichnen Personen und Begegnungen: Arch. Peter Lorenz, Dr. Markus Neuwirth, Franz Krautgasser Jr., ehemalige Schüler:innen und eine ehemalige Kollegin.
Und wieder andere benennen lediglich das Material, das vor mir liegt: Archivmaterial – Folder, Presseheft, Schülerpostkarten, Archivmaterial – Box, Familienbild, Nachlassmaterial.
Mich interessiert diese Gleichwertigkeit.
Eine Archivschachtel kann ebenso Ausgangspunkt einer Annäherung sein wie ein Gespräch. Eine Postkarte ebenso wie ein Gebäude. Ein Familienfoto ebenso wie ein Kunstdepot. Das scheinbar Nebensächliche steht neben dem historisch Bedeutenden, das Private neben dem Institutionellen, das Gefundene neben dem Erinnerten.
Die Kapitel versuchen nicht, diese unterschiedlichen Spuren zu einer eindeutigen Erzählung zu glätten. Sie bleiben zunächst für sich – wie Fundstücke, die nummeriert und abgelegt werden. Erst durch ihre Abfolge entstehen Verbindungen, Wiederholungen und Überlagerungen.
Auch die Orte werden dabei zu einer Art Archiv. Ich gehe durch Räume, in denen mein Großvater studiert, unterrichtet oder ausgestellt hat. Ich begegne seinen Arbeiten in Depots, seinen Spuren in Karteien, seiner Handschrift auf Dokumenten und seiner Person in den Erinnerungen anderer.
Manches davon lässt sich einordnen. Anderes bleibt fragmentarisch.
Die Nummerierung der Kapitel suggeriert zwar eine Ordnung, aber keine Vollständigkeit. 01 bis 20 ist kein abgeschlossenes System. Es ist eine vorläufige Ordnung dessen, was ich gefunden habe.
Und vielleicht auch dessen, was mich gefunden hat.
Eine besondere Klammer bilden die Super-8-Filme meines Großvaters. Mit Super 8 – Kunstreise Griechenland beginnt der Film. Später taucht sein privates Filmmaterial auf, mit Super 8 – Sarajevo endet die Folge der Kapitel.
Damit liegt sein Blick vor meiner Suche und nach ihr.
Dazwischen versuche ich, Spuren zu lesen.
Nicht jede führt irgendwohin. Nicht jede beantwortet eine Frage. Aber indem ich sie nebeneinanderstelle, beginnen sie miteinander zu korrespondieren: ein Raum mit einer Fotografie, eine Stimme mit einem Dokument, seine Bewegung mit meiner, sein Blick durch die Kamera mit meinem Blick heute.
Der Film wird so selbst zu einem Archiv dieser Annäherung.
Nicht als Versuch, meinen Großvater festzuschreiben, sondern als eine vorläufige Ordnung unserer Begegnung.
01 Super 8 – Kunstreise Griechenland
02 Archivmaterial – Folder
03 Ferdinandeum Bibliothek
04 Arch. Peter Lorenz
05 Archiv Kuveti
06 Nachlass Fotografie
07 Dr. Markus Neuwirth
08 Presseheft
09 Sammlungs- und Forschungsdepot Hall
10 Reithmanngymnasium
11 Schülerpostkarten
12 Kunstpavillon Innsbruck
13 Archivmaterial – Box
14 Franz Krautgasser Jr.
15 Super 8 – Privat
16 ehem. Schüler:innen und ehem. Kollegin
17 Aktsaal, Akad. d. b. K. Wien
18 Familienbild
19 Nachlassmaterial
20 Super 8 – Sarajevo
Filmcredits:
Konzept, Regie, Produktion: ANNJA KRAUTGASSER
Kameras: MARTIN PUTZ, ANNJA KRAUTGASSER
Schnitt: ANNJA KRAUTGASSER, KATHARINA SIMUNIC
Soundedit: URSULA WINTERAUER
Assistenz: WOLFGANG OBLASSER
Repros: MATHILDE EGITZ, DAVID STEINBACHER (West.Fotostudio)
Protagonist:innen
Abendakt der Akademie der bildenden Künste Wien, Studierende: ARUNDHATHI ARUN, KERRY DOW, ECE, LARA GEISENHEINER, BHARNI KANKARIA, NORA MALEH, DARA PETRIE, MAGDALENA SCHWARZ, GIANNA SEMMELHAAK, KORA WITT, BO YUN Abendakt Modelle: JOANNA GRUBERSKA, CHRISTIAN NEHER Abendakt Leitung: GERLIND ZEILNER, TILL MARTIN MEGERLE Bibliothek Ferdinandeum: WOLFGANG ARTHO-PRASSL Ehemalige Kollegin Franz Krautgassers: EDITH WEILER
Ehemalige Schüler innen Franz Krautgassers: MAX GNIGLER, PETER LORENZ, WALTRAUD MAYR, MARKUS NEUWIRTH
Kuveti: PAUL IRMANN, NICO RICH UND JOE TIEFENBRUNNER
Sammlungs- und Forschungszentrum Hall: CHRISTINA HEPPKE
Schüler:innen des REITHMANNGYMNASIUMS INNSBRUCK
Sohn von Franz Krautgasser: FRANZ KRAUTGASSER JR.
Tochter von Franz Krautgasser: MARIA KRAUTGASSER
Besonderen Dank an
Akademie der bildenden Künste Wien: INGEBORG ERHART
Sammlungs- &Forschungszentrum Hall: RALF BORMANN, FLORIAN WALDVOGEL und JANA HESS
Galerie MATTHIAS MAYR
Kuveti: BETTINA SIEGELE, ANDREA WISCHERMANN
Leopoldinum Hall: MARKUS WALDER
Klocker Museum: LENA GANAHL
Österreichisches Forum für Vor- & Nachlässe bildender Kunst: SUSANNE NEUBURGER und VIVIAN HALLERMAIER
Rabalderhaus: GÜNTHER DANKL
Reithmanngymnasium Innsbruck: WALTER NIGG
Stadtmuseum Hall: CHRISTINE WEIRATHER
Stadtamt Hall: ALEXANDER ZANESCO
Tiroler Landesmuseen: ROSANNA DEMATTE, ANDREAS RUDIGIER, ROLAND SILA
Universität für angewandte Kunst: MATTHIAS BOECKL, ALEXANDER DAMIANISCH, NIKOLAUS GANSTERER, MARTIN REINHART, CHARLOTTE RUTH
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