What Is My Position
Soundinstallation mit 3 akustischen Signalampeln, 10 x 10 m, 2004
In Zusammenarbeit mit Dariusz Kowalski
Leihgabe: 3 Signalampeln (Siemens)

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© Ausstellungsansicht CAT OPEN – BASE, Flakturm Arenbergpark, Wien, 2004

Sie sind einerseits unscheinbar, andererseits mysteriös – die fest verschraubten Boxen, die an Verkehrsampeln hängen und per Klopfsignal blinden PassantInnen über die aktuelle Kreuzungssituation Auskunft erteilen. Jenen, die nicht darauf angewiesen sind, erscheinen die Geräusche rätselhaft.
Die Installation What Is My Position transferiert drei dieser „akustischen Signalampeln“ in den Flakturm im Arenbergpark in Wien Landstraße (die Arbeit existierte nur für einen Tag, anlässlich der Ausstellung CAT OPEN – BASE: Krautgasser, Krzeczek, Pfaffenbichler, Schreiber, 2004). Der Bau, während der NS-Zeit entstanden, ist ein bedrohlicher, im buchstäblichen Sinn unheimlicher Ort; man kann sich gut vorstellen, wie man zwischen den grauen Betonwänden die Orientierung verlieren und sich verlaufen könnte. Die Soundin-stallation definiert diesen Raum neu – zur räumlichen Orientierung kommt die akustische. Umgekehrt definiert der Raum den Sound neu: Ist das Klopfen im Lärm des Verkehrs üblicherweise nur aus der Nähe wahrnehmbar, so schallt es im Flakturm laut durch den ansonsten geräuschlosen Ort.
Die Geräte sind allerdings nicht so exakt konstruiert, dass der Rhythmus ihres Klopfens jeweils genau gleich wäre: Es gibt geringfügige Abweichungen. Dementsprechend überlagern die Klopfgeräusche einander, laufen zusammen und wieder ausei-nander. Zusätzlich irritiert, dass die Lautstärke anschwillt und abnimmt – je nach dem während der Ausstellung herrschenden Geräuschpegel. Wie sich wann was ändert und ob die per Zufalls-prinzip entstandene „Komposition“ schneller oder langsamer, lauter oder leiser wird, ist ebenso schwer fassbar wie vorhersehbar.
Vor dem Hintergrund der einschüchternden Nazi-Architektur lässt der Sound an eine nicht ganz rund laufende Maschinerie denken, aber auch an das beständige Klopfen von Hämmern. Ebenso könnte man sich jedoch an Experimente der neuen Musik erinnert fühlen – wenn nicht What Is My Position ohnehin selbst ein solches darstellt.
Die Installation erlaubt noch eine weitere Lesart: Die Signalampeln geben nämlich einen Imperativ vor, ebenso wie die Pfeile an den Wänden, die den Notausgang anzeigen – beide verweisen auf eine Gehrichtung. Hier überlagern sich also zwei Zeichensysteme, die von jeweils nur einer Gruppe rezipierbar sind, Blinden oder Sehenden.
Im Kontext des Nazi-Bunkers generieren die sonst so nüchtern erscheinenden Signalampeln – ihre Ästhetik ist rein dem Zweck geschuldet und äußerst zurückhaltend – plötzlich eine höchst intensive, angespannte Atmosphäre. Der minimale Materialauf-wand der Installation verhält sich demgemäß indirekt proportional zu ihrer inhaltlichen Komplexität.
(Nina Schedlmayer)


embedded image Ausstellungsansicht CAT OPEN – BASE, Flakturm Arenbergpark, Wien, 2004



English

Ausstellungen:
CAT OPEN - BASE, Flakturm am Arenbergpark, Wien/Vienna, A 2004

Wvnr:
04-003