v.e.r.t.e.x
Shockwave-Applikation, 600 x 531 px, 2003

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© Momentaufnahme, Screenshot, v.e.r.t.e.x, 800 x 600 px, 2003

Laut Duden-Redaktion steht der Begriff „Vertex“ für den gemeinsamen Zielpunkt der Bewegung einer Gruppe von Sternen. Die Beziehung des einen Elements zu einer Gruppe scheint Krautgasser durch die Interpunktion zu betonen, mit der sie das titelgebende Wort nach jedem Buchstaben bricht, betont und in eine Form bringt. In der Wahl des Titels und seiner pointierten Schreibweise lässt sich die Konzeption der Arbeit bereits erahnen: Einfache grafische Elemente ziehen am PC-Firmament ihre Bahnen, die sich immer wieder überschreiben und schließlich zu überraschend komplexen visuellen Strukturen verdichten, die an ein arbiträres Muster erinnern. Im Prozess der Entwicklung lassen sich mehrere reduzierte grafische Parallelstrukturen erkennen, deren formaler Aufbau und Richtungsverhalten über einige durch die PC-Maus ansteuerbare Parameter beeinflussbar sind. Insgesamt bilden die repetitiven grafischen Strukturen einen dynamischen Sog, der sich durch die fortschreitende Überlagerung der einzelnen grafischen Layer nach einer Weile zu einem statischeren, mehrschichtigen Gebilde konzentriert, welches zwar permanent weiter überschrieben wird – sich also in einem fortlaufenden Prozess der Entwicklung befindet –, aber doch seine bildhafte Struktur gefunden hat. Durch fünf zur Auswahl stehende Grundformen bietet Krautgasser dabei unterschiedliche visuelle wie zeitliche Verlaufsformen der Entstehung eines „Bildes“ an wie auch die Möglichkeit, nur ganz reduzierte Verläufe auszuformulieren, die sie selbst auch als Vorlage für mehrteilige Printserien (TMP-Serie) verwendet. Die angelegte Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten von v.e.r.t.e.x ist überraschend und in ihren Ausprägungen gelungen, die konzeptionelle Klarheit tritt demgegenüber etwas zurück, was insgesamt aber als von der Künstlerin gewollt erscheint.
Bei dieser großen Bandbreite an Möglichkeiten finde ich das Überlagern, Überschreiben, Transformieren der anfänglich einfachen, zusehends komplexeren grafischen Elemente und Muster in dichte visuelle Strukturen spannend, da sich hier ein abstrakter Bildaufbau nachvollziehen lässt, der sich in seinem Kontext fortlaufend formal entwickelt und annäherungsweise „selbst bespricht“. Nachdem der Monitor als Bildträger nach einer Weile nahezu flächendeckend kadriert und gefüllt wird, beginnen sich durch die sich einstellende Fixierung des „Bildes“ über den Prozess des Bildaufbaus hinaus weiterführende Fragen der Komposition zu stellen, die näher an eine klassische malerische Auseinandersetzung denken lassen und in ihrem nun erreichten offenen Wechselspiel der Form und Konzeption die Geschichte und Entwicklung abstrahierter Verfahren nachvollziehbar machen und gleichzeitig aktuell halten.
(Sandro Droschl)

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© Momentaufnahme, Screenshot, v.e.r.t.e.x, 800 x 600 px, 2003



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Ausstellungen:
Abstraction Now, Künstlerhaus Wien, Wien/Vienna, A 2003 • coord(), Kunstverein Medienturm, Graz, A 2003

Wvnr:
03-003