La Sagra
2008, PAL 4:3 (Letterbox), 16 min, Farbe, Originalton

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© Ausstellungsansicht: Depth of Texture, Gallery Area53, Wien, 2009


Volkstanzbewegung

La Sagra zeigt einen Square Dance im buchstäblichen Sinn: Auf einem öffentlichen Platz, einem Geviert, wird getanzt. Es scheint Abend zu sein, das Geschehen spielt sich unter freiem Himmel ab. Ältere Paare ziehen ihre Kreise, manchmal bilden sich kleine Formationen. Es gibt Raum für Variation. Die Musik wechselt, Männer und Frauen haben sich in mehreren Reihen aufgestellt. Das Carré wird spielerisch eingenommen, tanzend ausgeschritten. Später lassen Teenager ihre Becken kreisen. Die Abläufe und Schritte sind offenbar allen geläufig, eine Zeremonienmeisterin oder ein Vortänzer nicht zu erkennen. Am Ende wiegen sich noch einmal Paare, avanciertere und bemühte, eingespielte und nicht ganz so trittsichere Tänzerinnen und Tänzer, zum Glücksevergreen von Louis Armstrong.
La Sagra ist eine knappe Viertelstunde lang und besteht aus dokumentarischen Momentaufnahmen, mehrheitlich statischen Plansequenzen, aufgezeichnet während eines Dorffestes im italienischen Paliano am 2. September 2006 mit der Videofunktion einer Fotokamera. Die Bilder sind erkennbar gerechnet. 
Im Zentrum des Films steht allerdings weniger die Auseinandersetzung mit diesem Bildtypus, das Material wurde auch nicht wesentlich bearbeitet. Nach der Etablierung des Ortes in kleinen Schwenks führt ein kleiner dramaturgischer Bogen von den Paaren zum offenen Tanzblock und wieder zu den Paaren zurück.
La Sagra interessiert sich für ein soziales Phänomen, für den (öffentlichen) Raum und ein kollektives Ritual. (Man kann La Sagra auch als eine Skizze lesen, die inzwischen zur Realisierung von Le Madison geführt hat.) Der Film unternimmt kleine Bewegungsstudien – einmal tappst ein kleines Mädchen seitlich ins Bild und marschiert-tänzelt wie eine mechanische Puppe stur geradeaus. Vor allem aber zeigt La Sagra einen Volkstanz modernen Zuschnitts. Alle – Frauen, Männer, Junge, Alte – sind auf den Beinen. 
Die einzige sichtbare Differenz ist jene zwischen den Tanzenden, die den Platz einnehmen, und den Zuseherinnen und Zusehern, die den Platz gewissermaßen umgekehrt markieren. Die Positionen können jedoch umstandslos wechseln: Man reiht sich ein, man schert aus. Die Körper bleiben in Bewegung und bewegen sich rhythmisch zwischen einer gemeinschaftlich geteilten Erfahrung und dem Sichversenken als Einzelne. What a wonderful world.
(Isabella Reicher)


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© Videostills



[VIDEO]: La Sagra






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Ausstellungen:
Depth of Texture, Gallery Area53, Wien/Vienna, A 2009

Wvnr:
08-004