Fragments - A Lover's Discourse
80 Keywords About Dating
2008-2010, PAL 16:9, 15 min, Farbe, Stereo

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© Ausstellungsansicht: Hafen2 | interim.projekte, Offenbach am Main, 2010.
Foto: Eduardo Perez

[ to be engulfed ] - [ absence ] - [ adorable ] - [ affirmation ] - [ alteration ] - [ anxiety ] - [ annulment ] - [ askesis ] - [ atopos ] - (no classification) ] - [ waiting ] - [ to hide ] - [ pigeonholded ] - [ catastrophy ] - [ circumscribe ] - [ heart ] - [ fulfillment ] - [ compassion ] - [ to understand ] - [ behavior ] - [ connivance ] - [ contacts ] - [ contingencies ] - [ body ] - [ declaration ] - [ dedication ] - [ demons ] - [ dependency (depended from) ] - [ expenditure ] - [ disreality ] - [ drama ] - [ flayed ] - [ to write ] - [ errantry ] - [ embrace ] - [ exile ] - [ irksome ] - [ fade-out ] - [ faults ] - [ festivity ] - [ mad ] - [ embarrassment ] - [ Gradiva ] - [ habiliment ] - [ identification ] - [ image ] - [ unknowable ] - [ induction ] - [ informer ] - [ unbearable ] - [ outcomes ] - [ jealousy ] - [ I-love-you ] - [ languor ] - [ letter ] - [ loquela ] - [ magic ] - [ monstrous ] - [ silence ] - [ clouds ] - [ night ] - [ objects ] - [ obscene ] - [ crying ] - [ gossip ] - [ why ] - [ ravishment ] - [ regretted ] - [ encounter ] - [ reverberation ] - [ waking ] - [ scene ] - [ alone ] - [ signs ] - [ remembrance ] - [ suicide ] - [ thus ] - [ tenderness ] - [ union ] - [ truth ] - [ will-to-possess ]

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© Ausstellungsansicht: Dating, Casino Luxembourg, Forum d.Art Contemporain, Esche-zur-Alzette, 2008


Es ist also ein Liebender, der hier spricht und sagt

Nicht ein Liebender – ein modellhafter, ein überpersönlicher –, wie ihn Roland Barthes in Fragmente einer Sprache der Liebe (1977) in Versatzstücken aus Literatur, Philosophie und Geistesgeschichte sprechen lässt, es sind zwölf KünstlerInnen – Liebende –, die in 
Annja Krautgassers Video Fragments zur Sprache kommen. Nicht über die Liebe selbst sprechen sie, es sind die Figuren der Liebe, die sie im Moment der Gebärde des in Bewegung erfaßten und nicht des im Ruhezustand betrachteten Körpers artikulieren; es ist der Begriff Dating, anhand dessen zeitgemäßer Strukturen ein Diskurs wiederbelebt werden soll, der – selbst von Tausenden von Subjekten geführt – bereits bei seinem Entstehen von extremer Einsamkeit gekennzeichnet war.
Abhängigkeit, Abwesenheit, Allein, Anbetungswürdig, Angst – Das Video Fragments basiert auf Roland Barthes’ Glossar über die Liebe, dessen alphabetisch geordneten Textbausteinen, Gedankengebilden – wieder: Figuren – gesprochene Interviews beigestellt wurden. Die Struktur des daraus sich fortwährend entwickelnden Discursus – der Rhythmus der Sprechhandlung der Liebenden in den bewegten Bildern – ist vorgegeben durch die Bewegung des Hin-und-Her-Laufens, das ist Kommen und Gehen, das sind „Schritte“, „Verwicklungen“: Unsicherheiten, Schwanken, Neubewertungen, Richtungswechsel. Die Komponenten in Fragments sind nicht mehr enzyklopädisch angeordnet; von BetrachterInnen können sie nur linear – Bild für Bild, Satz für Satz, Figur für Figur – erfahren werden. Askese: „I think ... I think the word means, if I am not mistaken, to actually‚ empty yourself. It’s like the Buddhist going to the mountain? Who is trying to ‚empty‘ himself.“ Atopos, Auswege, Begegnung, Beiläufigkeiten, Bejahung, Berührungen: „It can be, whether you have the urge, the desire to touch the other person. I think, that’s really important! In terms of dating and ... I think, pretty early on in terms of dating someone, you can tell, if you feel for them, or not, because of this sort of electricity. This non-verbal, kind of inner feeling you get.“ Betretenheit, Bild, Brief, Dämonen, Drama: Die Choreografie der Videobilder – die Wahl einer „dramatischen“ Methode – ist nicht auf Analyse angelegt, es geht nicht um die Sprache über die Liebe, sondern um die Sprache der Liebe und die Inszenierung einer in ständigem Wechsel befindlichen Ausdrucksweise des Ich – erster Sprache (keiner Metasprache), individueller Sprache, parole.
Die Ordnung ist nur eine scheinbare Ordnung, die sich an die unvordenklich alte Konvention des Alphabets hält. Eifersucht, Einbezogen, Einverständnis, Entstellung, Entwertung, Entwirklichung: „It is disreality, because of the net because it’s not real space or it’s not a real meeting. At the beginning you just create something for this little group of two.“ Ein verhaltenes Lächeln, leicht beschämt darüber, sich über die Liebe zu äußern und dabei auf das Leben zu referieren – Bejahung und Wiederbejahung: Eben das sagte die Stimme von X ...
(Franz Thalmair)

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© Videostills



[VIDEO]: Fragments – A Lover's Discourse




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English

Ausstellungen:
Dating, Casino Luxembourg, Forum d.Art Contemporain Esche-zur-Alzette, LU 2008 • Prelude*), Hafen2 | interim.projekte, Offenbach am Main, D 2010 • MIND AND MATTER, paraflows.10, Künstlerhaus Wien, Wien/Vienna, A 2010

Wvnr:
08-003