ACCENTISMS
30. September 2017 – 28. Januar 2018
TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol

mit Lawrence Abu Hamdan, Nicholas Bussmann & Natascha Sadr Haghighian, Edith Dekyndt, Annja Krautgasser, Ali Meer Azimi, Ute Müller, Ulrich Nausner, Angel Nevarez & Valerie Tevere und Natascha Sadr Haghighian

Kuratiert von Nina Tabassomi



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Ausstellungsansicht ACCENTISMS, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, 2017.
Foto: Günter Kresser



Von adcantus, der Dazugesungene, leitet sich das lateinische accentus ab. Ein poetischer Überschuss, der sich auf Silben, Wörter und Sätze legt, um sie hervorzuheben und zu intensivieren. Akzent bezeichnet auch, wenn diese Lautgestaltung, die Betonungsmuster und Rhythmen einer vorgängig erlernten Sprache in eine neu erlernte integriert werden und sie klanglich einfärben.

Akzente sind Ereignisse, sie werden zeitgleich artikuliert und vernommen, gleichzeitig gesprochen und gehört. Ebenso prozessual verhalten sich individuelle Ausspracheeigenheiten; sie verändern sich mit unseren jeweiligen Lebenskartographien, mit den verschiedenen Orten, an denen wir leben, und mit den unterschiedlichen Menschen, mit denen wir sprechen.

Insofern sind individuelle Akzente in ihrer Komplexität immer schon Einsprüche gegen einfache Vorstellungen von Identität. Dennoch werden Ausspracheeigenheiten in der Lebenswelt häufig mit Herkunft kurzgeschlossen, mit Wertungen versehen und diskriminiert. Anders in der Kunst, die darauf besteht, das Dazugesungene – Einfärbungen, Schattierungen und Tonalitäten – als Generator von Schönheit und Komplexität zu erfahren.



Dachszenen
A 2018 | 19 min | HD 16:9 | Farbe | Stereo | engl. UT

Der Rhythmus und die Kapitalstruktur für Krautgassers Neuproduktion gibt eine vermeintlich unscheinbare Szene aus Jean-Luc Godards Film „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“ vor: Eine der Protagonistinnen dreht ihren Kopf dort nach rechts und dann nach links und die männliche Erzählstimme erläutert: "Sie dreht ihren Kopf nach links, aber das hat nichts zu bedeuten.“
In „Dachszenen“ wird diese Dimension der Nicht-Identität, des Nicht-Festschreibens auf ein eindeutiges Warum ausgeweitet zu einem nicht-identischen Wer, Wie, Warum und Wo.
Wer spricht über die Protagonistinnen? Und ordnet dieses Voice-Over die Charakterisierung den Protagonistinnen richtig zu? Spricht die Voyeurin, die uns mit der Kamera zu den heterogenen Dachszenen führt? Sind sie vorgefunden oder inszeniert? In welcher Stadt befinden wir uns? Die Versetzung von Akzenten verschiebt, was wir sehen und hören, in einen Raum essayistischer Unentscheidbarkeit, die der realen Komplexität des Gefilmten näher kommt als dessen konkrete Beschreibung.
(Nina Tabassomi)



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Entwurf Tribüne

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[SYMPOSIUM ACCENTISMS]
Sa, 27. Januar, 10.30 – 17.00
TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol
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